Arthrosetherapie mit Hyaluronsäure

Unter Arthrose versteht man den Alterungsprozess eines Gelenkes („Abnutzung“), der teilweise mit entzündlichen Veränderungen der Gelenkinnenhaut bzw. auch der umliegenden Gewebe einhergeht.

Bevor heutzutage ein abgenutztes Gelenk (v.a. Hüft- und Kniegelenk) durch eine Prothese ersetzt wird, nutzt die moderne Medizin nichtoperative Verfahren. Ein wichtiger Vertreter dieser Verfahren ist die Injektionsserie mit einem Hyaluronsäure-Präparat.

Was ist Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure kommt in der Natur bei allen Wirbeltieren und auch beim Menschen vor. Sie ist ein so genanntes Glykosaminoglykan, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. Die Hyaluronsäure steckt unter anderem in der Haut, im Knorpel, in den Bandscheiben, der Gelenkflüssigkeit und im Glaskörper der Augen. Die Substanz hat viele sehr wichtige Funktionen. Sie kann enorm viel Wasser binden und damit zum Beispiel die Haut prall und elastisch erhalten. Gleichzeitig ist hyaluronsäurehaltiges Gewebe sehr druckbeständig und wenig komprimierbar. Ein Beispiel dafür ist der Gallertkern der Bandscheibe. Er ist relativ klein und kann trotzdem einen großen Teil des Körpergewichts tragen. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe der Hyaluronsäure liegt darin, die Gelenke zu schmieren. Als Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit trägt sie dazu bei, die Gelenkknorpel dickfüssig zu umhüllen und vor Abrieb zu schützen. Wenn bei bestimmten Bewegungen starke Druckkräfte auf ein Gelenk ausgeübt werden, dann können die Moleküle der Hyaluronsäure sich zu kleinen Kügelchen zusammenballen und hängen dann ähnlich wie ein Kugellager an der Knorpeloberfläche. Bewegt sich das Gelenk zum Beispiel beim Laufen besonders schnell, dann verändert sich die Konsistenz der Substanz. Sie wird weniger zähflüssig und verringert so die Reibung. Darüber hinaus hält die Hyaluronsäure die „Verkehrswege“ für wandernde Zellen frei. Forscher gehen sogar davon aus, dass Hyaluron möglicherweise bei bestimmten „Entmarkungskrankheiten“ wie Multipler Sklerose oder bestimmten Arten von Neuropathie eingesetzt werden kann, um die Myelinscheide von geschädigten Nervenfasern wieder herzustellen. Zumindest sind die Forschungen in dieser Hinsicht sehr vielversprechend.

Wofür wird künstliche Hyaluronsäure in der Orthopädie eingesetzt?

Seit den 1980-er Jahren wird künstliche Hyaluronsäure in der Orthopädie besonders bei Arthrose eingesetzt. Bei dieser Erkrankung verändert sich nämlich die Zusammensetzung der Gelenkschmiere nach und nach immer stärker. Das beim gesunden Menschen fein abgestimmte Gleichgewicht zwischen dem Abbauprozess der alten Hyaluronsäure und der Produktion neuer Hyaluronsäure ist bei Arthrose gestört und die Gelenkflüssigkeit wird zunehmend immer dünnflüssiger und minderwertiger. Sie verliert deshalb teilweise ihre ursprünglichen positiven Eigenschaften. Die Schmierung und Stoßdämpfung ist nicht mehr optimal und die Oberfläche des Knorpels nicht mehr ausreichend vor Verschleiß geschützt. So wird der Knorpel allmählich mehr und mehr abgerieben und verliert an Elastizität. Seine Belastbarkeit sinkt, er kann die darunter liegenden Knochenstrukturen nicht mehr richtig schützen. Ist das Knorpelgewebe erst einmal zertört, dann kann es sich auch nicht wieder regenerieren. Diesen Prozess kann die synthetisch hergestellte Hyaluronsäure aufhalten. Wenn sie zur Verbesserung der Konsistenz der Gelenkschmiere in den Gelenk-Raum injiziert wird, dann verbessert sich die schmierende und schützende Wirkung wieder, der Knorpel wird entlastet und verschleißt nicht weiter überproportional. Die Beweglichkeit des Gelenkes bessert sich, eventuelle Entzündungen gehen zurück und die Schmerzen lassen nach.

Wie oft wird Hyaluronsäure injiziert?

Bei einem Behandlungszyklus werden zwischen drei und fünf Injektionen vorgenommen. Das in unserer Praxis eingesetzte Präparat wird fünfmal injiziert. Idealer Weise sollte die Behandlung einmal pro Woche erfolgen. Natürlich wird die in ein Gelenk eingebrachte hochkonzentrierte synthetische Hyaluronsäure allmählich auch wieder vom Körper abgebaut, aber es ist nachgewiesen, dass die Wirkung längere Zeit anhält. Ärzte erklären diese Tatsache damit, dass die künstlich injizierte Hyaluronsäure auch die Produktion der körpereigenen Hyaluronsäure wieder anregt. Gerade bei beginnender Arthrose und leichterer Knorpelschädigung reicht oft eine einmalige Behandlungsserie vollständig aus, um den Patienten dauerhaft die Beschwerden zu nehmen. Bei mittelschweren Knorpelschäden ist es unter Umständen angebracht, die Injektionen im Abstand eines Jahres zu wiederholen. Bei fortgeschrittener Arthrose und schweren Knorpelschäden können die Injektionen aber auch häufiger, zum Beispiel halbjährig, durchgeführt werden.